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Weinbrand und Sherry aus Spanien

Fuhr man früher mit dem Auto oder Bus durch Spanien, sah man in der Nähe der Flughafenzubringer mindestens einen der 14 Meter hohen, schwarzen Stiersilhouetten mit der Aufschrift „Osborne“ auf Berghügeln oder direkt am Straßenrand. Die Aufschrift ist wegen des Werbeverbots für Spirituosen seit 1994 zwar verschwunden, die 90 großen Stiere wurden aber als Kulturgut eingestuft, damit ein Nationalsymbol und blieben stehen. Sie erinnern an die lange Brandy-Tradition Spaniens, die schließlich 1987 in der gesetzlich geschützten Bezeichnung „Brandy de Jerez“ für den in dieser Region erzeugten Weinbrand resultierte.

Das meist von der „Cayetana Blanca“ stammende Destillat („Holanda“) durchwandert im Laufe der Lagerzeit nach dem Solera-Verfahren viele verschiedene Fässer aus amerikanischer Steineiche. Diese Fässer wurden zuvor für die Reifung von Sherry benutzt, bieten also ein besonderes Aroma. Nach einer festen Lagerzeit wird dann die Holanda wird mit einem zweiten, höherprozentigen und geschmacksneutralen Destillat („Destilados“) vermischt und nochmals gelagert, bevor aus dieser Mischung der trinkfertige Brandy abgefüllt wird. Dabei unterscheidet man drei Qualitätsstufen: Der Solera reift 6-18 Monate und besticht meist mit einem blumigen Weißweinaroma, der Solera Reserva lagert 1-5 Jahre und ist dunkler, mit mehr Körper. Der Solera Gran Reserva schließlich lagert 3-100 Jahre und entwickelt hochkomplexe Aromen.

Sherry aus Spanien

Sherry aus Spanien ©iStockphoto/MassimoAngeloRossi

Hochwertiger Brandy wird in Spanien in einem sehr großen Brandyglas serviert, das zuvor zusammen mit dem Brandy auf die optimale Trinktemperatur gebracht wird, damit sich die Aromen in Nase und Rachen bestmöglich entfalten.


Eine ebenso weltbekannte und geschätzte (1 Mio. hl/Jahr) Spezialität Spaniens ist der Sherry – ein Likörwein aus dem Gebiet Jerez in Südspanien. Seine Herstellung ist recht komplex, dem aus den Palomino-Weißweintrauben gewonnenen Wein wird nach vollendeter Gärung reiner Weinalkohol zugesetzt. Die Mischung reift in nicht verschlossenen Fässern weiter. So entsteht ein ursprünglicher, sehr trockener Likör, der bevorzugt als Aperitif oder Digestif Verwendung findet. Nach weiterer Reifung im Solaraverfahren wird der Sherry abgefüllt. Es existieren aber auch halbtrockene und süße Sherry-Varianten, die nach dem Alkoholzusatz mit aus vorgetrocknetem Muskateller- und/oder Pedro-Ximinez-Trauben gewonnenem Most versetzt werden. Sie eignen sich besonders als Digestif nach oder anstatt einem Dessert.

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