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Costa Blanca: 5.000 Kilometer unter den Reifen oder: Auch Wege sind Teile des Ziels und somit Urlaub!

In Hamburg ist es bedeckt und für Ende Juli deutlich zu kühl, als wir den Geländewagen beladen – vier Personen, drei Koffer, zwei Wochen, ein Ziel: Costa Blanca! Nach mancher Meinungsverschiedenheit mit dem Navigationssystem erklimmen wir zweieinhalb Tage später tatsächlich den Fahrstuhl des Hauses namens Ciudad de Elda, direkt an Albir’s belebter Hauptstraße gelegen. Temperatur 32 °C im Schatten und Sonne im Überfluss! Bedauerlicherweise benimmt sich die Klimaanlage wie ein störrischer Muli; entweder ist es eiskalt oder drückend heiß in den Schlafzimmern…

So verbringen wir die erste Woche vormittags relaxt im Apartment und mit Einkäufen im nahen Supermarkt, die Nachmittage gehören Sonne, Strand und Meer, und allabendlich beehren wir die entlang der Straße wie Perlenketten aneinander gereihten kleinen Geschäfte, Bars und Restaurants sowie die nach Altea führende Strandpromenade. Nachts ist es laut, manchmal schallen noch um 3 Uhr morgens Musik und Menschenstimmen zu uns herauf. Dennoch schlafen wir, auf Sofas und Luftmatratzen gebettet, auf dem offenen Balkon, da weder Brutkasten noch Gefrierschrank unserer Schlafqualität sehr zuträglich sind.

Costa Blanca

Costa Blanca ©iStockphoto/Alejandro Catalá Rubio

Die zweite Urlaubshälfte werden wir, endlich akklimatisiert, zusehends unternehmungslustiger:

Mit Vierradantrieb geht es nach Norden in die spanische Bergwelt: Wir sehen malerische Dörfer, enge Gassen, raue Felsformationen, Einwohner, die nur ihre Muttersprache und etwas Zeichensprache verstehen (das Navi hat hitzefrei, darum müssen wir mehrfach nach dem Weg fragen). Atem beraubendes Panorama bis hinab zum Mittelmeer. Als Andenken pflücken wir am Straßenrand eine Olive vom Baum und geraten dabei mit der Hinterachse des Wagens beinahe in einen tiefen Graben. – Mit Gewissensbissen und unreifem Diebesgut im Handschuhfach geht es anschließend weiter Richtung Benidoleig in der Sierra de Segaria, wo wir die 400 Meter in den Berg hinein führende, angenehm kühle Höhle ausgiebig bestaunen.

Eines Abends starten wir spontan eine „Mini-Safari“, wollen die Gegend abseits der asphaltierten Straßen erkunden. Auf holprigen, staubigen Pisten gelangen wir zu kleinen Fincas auf urwüchsigen Grundstücken, begegnen dabei vereinzelt Menschen, Hunden und Katzen. Kaum etwas erinnert hier an Tourismus, alles wirkt wunderbar natürlich… Umso größer fällt unser Kulturschock aus, als wir weiter südlich wieder auf die Hauptverkehrsader einbiegen und links auf einmal etwas seltsam in den Himmel Ragendes auftaucht: die Bettentürme von Benidorm. Manhattan in Spanien. Als Familie mit ausgeprägtem Forscherdrang fahren wir furchtlos einmal mitten hindurch. Die Touristenschlange schiebt sich dabei links und rechts wabernd die Bürgersteige entlang. Wir schaudern. – Dafür umso erleichterteres Aufatmen, als wir später wieder im kleinen, beschaulichen Albir (in dem kein Gebäude höher als vier Stockwerke gebaut sein darf!) ankommen.

Unser letzter Besuch gilt dem Leuchtturm des Ortes, ein ausgedehnter Spaziergang im hochsommerlichen Vollmondschein. Grillenzirpen, sanfte Brise. Leider lässt sich la punta del Albir nur aus der Ferne bewundern. Ferne, Fernweh…

Am nächsten Morgen packen wir Proviant und Koffer und sagen: ¡Adiós, España!



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